

- SUPERSTAUBI -
der wieder verwendbare
Staubsaugerbeutel
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Produktinformation von SUPERSTAUBI:
F
"jedem Staubsauger sein eigener
Staubsaugerbeutel" und
Haben Sie schon mal versucht einen Fakir zum Platzen zu bringen? Es ist gar nicht so schwierig, man braucht nur mit dem Nagel hinein zu stechen. Mag sein, dass das bei indischen Schmerzensmännern weniger gut funktioniert, ich rede hier aber auch bloß vom Beutel des gleichnamigen Staubsaugermodells. Mein Fakir E112 hatte sich jedenfalls jüngst so gründlich vollgesogen, dass er eher explodieren zu wollen schien, als auch nur noch eine einzige der Wollmäuse aufzunehmen, die sich bereits in der ganzen Wohnung breit gemacht hatten. Kein Problem, denke ich mir, Staubsaugerbeutel kann man wechseln, und wenn, so wie heute, keine mehr im Haus sind, müssen eben neue gekauft werden. Wie gut, dass es gleich um die Ecke sowohl Schlecker als auch Kaisers gibt. Zunächst also in den auf Haushaltsprodukte spezialisierten Drogeriemarkt.
Die ganze Welt in
einer Kladde
Ein riesiges
Regal hat man hier für die Staubsaugerbeutel der Marke
Swirl reserviert. Ordentlich sind die leichten aber
voluminösen Kartons einsortiert – eine Wissenschaft für
sich und eher eine Arbeit für einen gelernten
Bibliothekar als für den unterbezahlten
Supermarktangestellten. Jetzt geht es also darum, meinem
Fakir E 112 den passenden Beutel zuzuordnen. Die Ordnung, durch die sich diese mit einer dünnen Metallkette am Regal befestigte Hochglanzkladde auszeichnet, weckt zunächst Hoffnung, schließlich scheinen alle Staubssaugerfabrikate der Welt in dieser Publikation verzeichnet zu sein: Miele, Rowenta, Hoover, Siemens, Philips, Privileg, Kärcher, Panasonic, Electrolux – aber auch ausgefallenere wie Dirt Devil, Clatronic oder EIO. Und – wer sagt's denn – auch Fakir ist dabei.
Ein Taifun, kein E
112
Hier aber geht es mit der Ausdifferenzierung erst so richtig los. Man kann das glauben oder nicht: Allein die Marke Fakir hat mittlerweile weit über Hundert verschiedene Gerätetypen auf den Markt gebracht. Wer alle zugehörigen Beutel mit verschlossenen Augen ertasten könnte, wäre fit für Wetten Dass? Die Geräte hören auf Namen wie Eletronic oder, was einen Unterschied ausmacht, Electronic/Plus, Diamant Edition, Taifun, Speedy, Steel Line und so weiter. Da aber auch die Phantasie der von Fakir beschäftigten Produktdesigner Grenzen kennt, sind die weitaus meisten Typen nur mit schnöden Zahlen- und Buchstabenkombinationen bezeichnet. Je länger ich blättere, desto deutlicher zeichnet sich indessen das bevorstehende Unglück ab. Diese Broschüre will von meinem Staubsauger nichts wissen, der E 112 ist ganz einfach nicht mit aufgeführt.
Überfluss und
Verknappung
Nächster Versuch: Kaisers nebenan. Auch hier ein geräumiges Regal mit Staubsaugerbeuteln der Marke Swirl, auch hier ein Heft zur Orientierung. Und wieder ein kleines Wunder. Die Liste weicht nämlich von der ersteren ab und bestätigt nicht nur die Existenz des Fakir E 112, sondern weist auch noch die Nummer des zugehörigen Swirl-Beutels aus. Zu erwarten, dass sich dieses Produkt nun auch vorrätig im Regal befunden hätte, wäre aber wohl zu viel des Guten gewesen.
Die schlimmste Geißel des Kapitalismus, das wird allmählich klar, ist nicht die Unübersichtlichkeit der unendlich aufgefächerten Warenwelt, sondern vielmehr die dialektische Verschränkung von Überfluss und Verknappung. Der Beutel ist für den Staubsauger so etwas, wie das Betriebssystem für den Computer. Das eine kann ohne das andere nicht so sein, und wo der Markt den einen benötigten Beutel verschwinden lässt, erzwingt er damit auch die Ersetzung des eigentlich noch lange funktionsfähigen Saugers.
Stangl weiß weiter
Ich will mich damit aber nicht abfinden und unternehme ohne ernsthafte Hoffnung einen letzten Versuch. Karstadt am Hermannplatz. Auch hier setzt sich das Drama fort. Wieder eine neue Firma für Auswechselbeutel, wieder eine Liste, der E 112 zwar verzeichnet, das passende Equipment aber nicht vorrätig. Hinter der Kasse ein älterer Mann mit einem Namenschild – Herr Stangl. Ich klage ihm mein Leid, Stangl nickt verständnisvoll, offenbar hat er schon viel gesehen. Und er denkt in größeren Zusammenhängen. Völlig überraschend zaubert Stangl unter seinem Computertisch plötzlich einen kleinen Karteikasten hervor, aus dem er den Kontakt zu seinem persönlichen Verbündeten im Windmühlenkampf gegen die Elektronikindustrie herausfischt. Auf der kopierten und mit einer Schere schief ausgeschnittenen Visitenkarte, die er mir in die Hand drückt, steht folgendes: 'Mr. 1000 Teile'. Seit 2 Jahren am »Free-Willy-Place« (Friedrich-Wilhelm-Platz) Bundesallee 79. Über 1000 Ersatzteile für Elektrohaushaltsgeräte bis Modelle aus dem Jahr 1952! Telefon: 85102288.» Der Mann« sagt Stangl, «ist wirklich klasse. Der hat fast alles. Sie können ruhig sagen, dass Sie von uns kommen.»
Ausstieg für 39
Euro?
'Free-Willy-Place' murmele ich beim Hinausgehen, habe aber wie ferngesteuert auf einmal die Hand auf einem Neugerät – der endgültigen Lösung aller meiner Probleme. Ein beutelloser Sauger der Firma Privileg. Einfach den Plastikeinsatz leeren, die Wollmäuse in den Abfall und für immer aussteigen aus dem Teufelskreis des Beutel- und Gerätekaufs. Das Ding ist von 99 Euro auf 39 Euro heruntergesetzt. Ich werde schwach. Und spüre auf einmal eine Hand auf meiner Schulter. Herr Stangl. «Tun Sie das nicht!», sagt er. «Die totale Sauerei: Beim Ausleeren haben Sie den ganzen Dreck wieder in der Wohnung.» Wortlos schaue ich in seine traurigen Augen. Er ist nicht «Mr. 1000 Teile». Er würde gerne aussteigen und kann es nicht. Genau wie ich.
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